Hintergrund

Hintergrund unserer Reise in die Mongolei sind sowohl die Feiern und ein Symposium anläßlich von 40 Jahren diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staat Mongolei, die 2014 begangen werden, als auch die erste Begegnung zwischen den Vetternfamilien und den Mongolen im Jahr 1241, die „Schlacht von der Wahlstatt”.

40 Jahre Diplomatische Beziehungen

Logo 40 Jahre diplomatische Beziehungen

Das offizielle Logo zur Feier

 

Das vierzigjährige Bestehen von Diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Mongolei ist uns Anlass, zusammen mit der Mongolischen Akademie der Wissenschaften und der Deutsch Mongolischen Gesellschaft ein Symposium zu dem Thema „Die erste Begegnung der Mongolen mit Deutschen und Polen in Liegnitz /Wahlstatt  1241” abzuhalten. Das Symposium ist offizieller Teil der Festveranstaltungen der Bundesrepublik Deutschland in der Mongolei und zugleich eine für die Mongolen höchst wichtige Veranstaltung zu einem der Höhepunkte in ihrer langen Geschichte.

 

 

 

Die Schlacht von der Wahlstatt

Legnica

Schlacht von der Wahlstatt, Abb. in einer Handschrift v. 1353, J. Paul Getty Museum © public domain

Nach dem Tod von Dschinghis Khan im Jahr 1227 wurde die Mongolei durch Thronstreitigkeiten erschüttert, in denen sich schließlich ein Enkel Dschinghis Khans namens Ögödei durchsetzte. Unter dessen Herrschaft erweiterten die Mongolen ihr Reich Richtung Westen. 1237 wurde Russland endgültig erobert; 1240 stieß ein riesiges Korps auf Polen vor, überrannte Krakau und Sandomierz. Anfang 1241 lag nur noch das Herzogtum Schlesien zwischen Mitteleuropa und den Mongolen. Der in Liegnitz regierende Herzog Heinrich II. „der Fromme”, Sohn der hl. Hedwig,, war entschlossen, sich ihnen auch ohne kaiserlichen Beistand entgegenzustellen.

Die mongolischen Truppen unter Baitar Khan, einem erfahrenen Feldherrn, umfassten mehr als 10.000 Krieger. Herzog Heinrich standen kaum 4.000 Mann zur Verfügung. Auf seine Bitte um Beistand unterstützte ihn die schlesische Ritterschaft und Reste des polnischen Heeres. Statt der Übermacht nach Süden auszuweichen, wo unter König Wenzel eine Armee von 5.000 Böhmen anrückte, entschloss sich Heinrich, den Kampf an Ort und Stelle aufzunehmen.

Am 9. April 1241 stießen die beiden Heere auf der „Wahlstatt” genannten Anhöhe südöstlich von Liegnitz zusammen. Die Mongolen begannen mit dem Angriff, und wandten Listen und Mittel an, denen Herzog Heinrichs Mannen trotz tapfersten Einsatzes nicht gewachsen waren.

Herzog Heinrich „focht hoch in den Bügeln stehend und das Langschwert mit beiden Händen führend im Namen Gottes bis zum Tode”, wie berichtet wurde. Doch schließlich traf ihn eine Lanze „beim Erheben des Schwertes in die linke Achselhöhle und warf ihn sterbend vom Pferd. Mit ihm ging alles zu Ende.”

Wappen_gemeinsam

Die Stammwappen der Vetternfamilien Nostitz, Prittwitz, Rothkirch, Seydlitz, Strachwitz und Zedlitz (v.o.n.u./v.l.n.r.)

Die Verluste auf Seiten Heinrichs waren ungeheuer. Bis auf den Babenberger Herzog Friedrich den Streitbaren von Österreich kamen alle höheren Kommandeure ums Leben. Sechs schlesische Adelsfamilien verloren bei Liegnitz nahezu alle männlichen Familienmitglieder. Von der Familie Rothkirch starben sämtliche Väter und Söhne, bis auf einen nach der Schlacht geborenen Knaben. Auch die Familien Nostitz, Prittwitz, Seydlitz, Strachwitz und Zedlitz erlitten schwere Verluste. In der Entschlossenheit, sich auch nach dem gemeinsamen Kampf weiterhin gegenseitig zu unterstützen, erklärten die Überlebenden der sechs Familien sich zu „Vettern von der Wahlstatt”.

Doch auch die Mongolen hatten erhebliche Verluste erlitten. Nach einem vergeblichen Versuch, Liegnitz zu erobern, stoppte Baitar Khan den Marsch nach Westen und zog mit seinen Truppen zur Hauptmacht nach Ungarn. Als Ende 1241 Khan Ögödei starb, zogen die mongolischen Führer ab, um einen neuen Herrscher zu wählen. Nach 1241 erfolgte kein weiterer Versuch, in Mitteleuropa einzudringen, was sich vielleicht auch aus den schweren Verlusten von der Wahlstatt erklärt.

Es ist das seltene Beispiel einer verlorenen Schlacht, die den Verlierern trotzdem Frieden brachte.